Buchvorstellung

Thriller

Erschienen 03-2016
Einband Broschiert
Seitenzahl 448 
Verlag Bookspot
ISBN 978-3-95669-048-8 

Eichborn & Wagner

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3. Fall

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Sieben Gräber

Der dritte Fall von Nicolas Eichborn und Helen Wagner spielt zum Teil im Wohnort des Autors – in Braunschweig.

Auf einer Baustelle in der Nähe von Braunschweig werden beim Ausheben einer Baugrube die sterblichen Überreste von sieben Kindern entdeckt. Bei einer der Leichen findet die Polizei einen Peilsender, der sich zu einem ehemaligen Beamten des BKA zurückverfolgen lässt: Nicolas Eichborn.
Als Eichborn von den sieben Leichen hört, weiß er sofort, um wen es sich handelt. Und er weiß, wer für deren Tod verantwortlich ist: Vor sechs Jahren hatte er gegen die Russenmafia ermittelt und ein junges Mädchen hatte ihm dabei geholfen. Sie ist eine der Toten aus der Baugrube.

Eichborn entschließt sich, den Fall neu aufzurollen, um die Russenmafia und deren Boss endgültig zu vernichten. Gemeinsam mit Patrick Ebel entwirft er einen Plan, der sowohl perfide als auch überaus riskant ist. Schon bald wird aus dem Jäger ein Gejagter und Eichborn läuft Gefahr, alles zu verlieren, was ihm wichtig ist.

HERBST 2006
Die Hinrichtung verlief schweigend, fast andächtig. Die Männer verständigten sich ausschließlich mit Gesten und Blicken, und die einzigen Geräusche, die zu hören waren, kamen von den Spaten, wenn diese in den lehmigen Boden gestoßen wurden, und dem Schnaufen der Männer, die diese Arbeit verrichteten. Wenn einer von ihnen ein schlechtes Gefühl hatte, an einem mehrfachen Mord beteiligt zu sein, so verbarg er das vor den anderen. Zaghaft wurde es hell. Es war jener magische Übergang, wenn die Nacht zum Tag wird und die letzten Sterne am Firmament langsam verblassen. Sie waren zu acht, und sie standen auf einem abgelegenen, unbebauten Grundstück in der Nähe von Braunschweig. Sechs von ihnen hoben abwechselnd die Grube aus. Die beiden anderen sahen ihnen dabei schweigend zu. Es war eine große Grube, da sieben Menschen darin verschwinden sollten. Die Delinquenten waren an Händen und Füßen gefesselt, sie trugen Augenbinden und Knebel.

Als das Grab tief genug war, stiegen drei Männer hinaus und begaben sich mit schlurfenden Schritten zurück zu dem Van, mit dem sie hier angekommen waren, und gesellten sich zu den anderen drei Arbeitern. Sie zündeten sich Zigaretten an und warteten rauchend. Langsam, fast so, als wäre es ein Ritual, schraubten die beiden verbliebenen Männer Schalldämpfer auf ihre Pistolen. Sie zerrten die zum Tode Verurteilten, die etwas abseits auf dem Boden hockten, an den Rand der Grube und reihten sie dort auf. Die Männer wussten nicht, warum die vor ihnen kauernden Menschen getötet werden sollten. Es interessierte sie allerdings auch nicht sonderlich. Der Boss hatte einen Befehl erteilt und der musste befolgt werden. Sie wussten, dass, wenn sie es nicht taten, sie demnächst selbst vor einer Grube hocken würden. 
Keine schöne Perspektive. Zumal der Boss Michail Petrowitsch Andropow, den jeder nur Mischa nannte, mit der Aufgabe betraut hatte, die Hinrichtung zu überwachen. Der stand ganz in der Nähe, lässig an einen Baum gelehnt, und beobachtete sie, während er rauchte. Vor ihm hatten sie alle Angst. Man munkelte, dass selbst der Boss Angst vor Mischa hatte. Mischa, der Mann, der dafür sorgte, dass die Temperatur im Raum drastisch sank, wenn er ihn betrat. Der Mann, der dafür sorgte, dass selbst die Sonne an Strahlkraft verlor. Die Legenden, die sich um ihn rankten, klangen alle zu unwahrscheinlich, um wahr zu sein. Bis man ihm begegnete. Dann wurde einem klar, dass sie wahr waren. Wahr sein mussten. 

Die beiden Männer wechselten einen kurzen Blick, dann gab die erste Pistole ein trockenes Husten von sich, dann noch eines und das erste Opfer fiel mit zwei Kugeln in der Brust in die Grube. Dann folgte eines nach dem anderen. Als alle sieben in der Grube lagen, sprang einer der Schützen, ein kleiner, hässlicher Mann, hinunter und schoss jedem noch eine Kugel in den Kopf. 
Langsam setzten sich die sechs Arbeiter mit ihren Schaufeln bewaffnet in Bewegung. Sie bauten sich rund um das Erdloch auf und begannen damit, es zuzuschaufeln. Als sie ihre Arbeit beendet hatten, klopften sie ihre Kleidung sauber und stiegen in den Van. Die Schützen warteten in einer dunklen Limousine. Die Motoren von beiden Wagen wurden gestartet und wenig später waren sie verschwunden. Erst jetzt, da das Gelände menschenleer war, kehrten die Vögel zurück und fingen an, ihre Lieder zu singen, und die Sonne, die langsam aufging, warf erste blasse Strahlen auf das Grab. 

„Auf jeden Fall lesenswert!“
Leser-Welt.de
„Spannender als »Sieben Gräber« gehts nicht.“
Leserkanone.de

Rezension

»Die Grundidee der Handlung
Der Rückentext ist schon recht ausführlich, so dass nur wenig hinzuzufügen bleibt. Vielleicht noch die kleine Besonderheit, dass der damalige Fall von Nicolas Eichborn recht umfangreicher Bestandteil der Geschichte ist und nicht nur als Randnotiz dargestellt, sondern als eigener Erzählstrang besteht.

Zu Beginn überzeugt die Geschichte nur etwas zögerlich, interessant wird es erst, als Eichborns Plan tatsächlich umgesetzt wird. Dann aber bekommt der Thriller-Fan alles, was er für ein packendes Leseerlebnis braucht: Spannung, überraschende Wendungen, Cliffhanger und reichlich Action.

Stil und Sprache
Wie schon erwähnt geht es nicht gleich in die Vollen, sondern dem Leichenfund in der Baugrube folgt zunächst ein etwas umständlicher Aufbau der Vorgeschichte. Dabei wechselt V.S. Gerling regelmäßig die Erzählperspektive, Nicolas Eichborn tritt als Ich-Erzähler auf, alle anderen Beteiligten in der dritten Person. So richtig los geht es dann erst mit der Nacherzählung der damaligen Ermittlung und der Entwicklung des Plans gemeinsam mit Patrick Ebel, der sich selbst als „freiberuflicher Berater“ bezeichnet (S.384). Von da an weiß man auch als Leser, der ja mehrere Schauplätze im Blick hat, nur selten genau, was die beiden eigentlich vorhaben, was zu ihrem Plan gehört und was sie nicht beeinflussen können. Das macht dann die Spannung aus, die in der zweiten Hälfte deutlich anzieht und damit den Thriller rettet.

Stilistisch bleibt sich V.S. Gerling treu und stattet Nicolas Eichborn wiederum mit reichlich Sarkasmus und trockenem Humor aus. Allerdings ist er dieses Mal persönlich stark betroffen und agiert insgesamt zurückhaltender, was aber gut zur Geschichte passt. Sehr gelungen!

Figuren
Nicolas Eichborn steht wiederum im Mittelpunkt der Geschichte und die Ereignisse der beiden Vorbände sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Entsprechende Andeutungen hierzu machen ihn sympathisch und vor allem menschlich, ansonsten könnte man ihn für einen übermächtigen Roboter mit Superkräften halten. Vor allem seine Lebensgefährtin Helen ist es, die ihn immer wieder auf den Boden zurückholt. Hinzu kommt, dass mit den Ereignissen aus der Vergangenheit auch das damalige Privatleben Eichborn und das Scheitern seiner Ehe erstmals erklärt wird, ein weiterer Punkt für mehr Authentizität.

Helen kommt mir dieses Mal etwas zu kurz, hat sie doch dienstlich kaum etwas zu tun und tritt nur gelegentlich in ihrer privaten Rolle als Nicolas‘ Partnerin auf. Dafür kommt Patrick Ebel öfter ins Spiel, ein undurchschaubarer Charakter, der aber eine Menge Sympathiepunkte von mir bekommt. Es gibt noch ein Menge weiterer Nebenfiguren, vor allem Russen, diese bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen und je nach Bedeutung eine kleine Hintergrundgeschichte. Vollkommen ausreichend.

Aufmachung des Buches
Das recht großformatige Buch ist in Klappbroschur aufgemacht und nimmt die Gestaltung der beiden ersten Bände wieder auf: Der Hintergrund ist schwarz und neben dem Titel gibt es nur das Bild eines Stoffteddys, das dezent auf die Geschichte hindeutet. Innen gibt es sechs Teile mit insgesamt 80 Kapiteln und einen Epilog, der ein paar Tage nach der eigentlichen Handlung spielt. Eine nette Idee ist das von der hinteren Klappe abtrennbare Lesezeichen.

Fazit
Nach etwas Anlaufzeit ein spannender Thriller, den man zum Ende hin nicht mehr aus der Hand legen kann. Auf jeden Fall lesenswert!

4/5

(Rezension: Eva Hüppen von Leser-Welt.de)

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